Was heißt „nachhaltig“ bezogen auf Ihre Gemeinde Woloka für Sie?
Nachhaltig heißt für mich, dass wir uns entwickeln und in der Zukunft eine Traumgemeinde haben. Die Schulen sind dann gut ausgestattet. Die Menschen, besonders die Älteren, bekommen im Dorf medizinische Versorgung und müssen nicht in die Stadt fahren. Und wir wollen eine zentrale Wasserleitung und ein zentrales Abwassersystem. Noch hat jedes Haus seinen eigenen Brunnen und wir haben ein großes Problem mit der Wasserversorgung. Das alles müssen wir nachhaltig machen. Also Schritt für Schritt etwas dafür tun und nicht jetzt etwas und dann nichts mehr. Das ist für mich nachhaltig.
Was motiviert Sie ganz persönlich, sich für diese nachhaltige Entwicklung einzusetzen?
Meine Familie wohnt in dieser Gemeinde. Wir haben einen Sohn, der vielleicht auch in der Gemeinde bleiben wird. Darum wollen wir etwas für die Gemeinde tun. Wir tun das nicht nur für unsere Gemeinde, wir tun das auch für unseren Sohn. Die Mutter meiner Frau gehört zu den älteren Leuten. Auch sie braucht medizinische Versorgung.
Mit Thierhaupten haben wir ein Projekt für die Ambulanzstelle in Woloka gemacht. Jetzt sieht man die Resultate und das ermutigt uns. Letzte Woche war unsere Kollegin Dr. Katharina Haberkorn vom Bezirk Schwaben hier und wir haben ihr gezeigt, was wir erreicht haben. Zum Beispiel haben wir Ultraschallgeräte gekauft. Das gab es vorher nicht in Woloka. Leider haben wir keinen Arzt, der ständig bei uns im Dorf sein kann, aber samstags können sich jetzt 20 bis 25 Leute untersuchen lassen. Das sind vorwiegend die älteren Leute, die keine Kraft mehr haben, in die Stadt zu fahren. Ich bin sehr stolz darauf, dass wir das geschafft haben. Es ist wirklich toll zu sehen, welche Resultate wir mit dem Projekt und mit dieser Arbeit schaffen können.
Und das ist aus der Partnerschaft heraus entstanden?
Ja, ich habe als Fachkraft einen Antrag beim Kleinprojektefonds von Engagement Global gestellt über 34.000 Euro. Zehn Prozent mussten wir als Partnerkommunen selbst finanzieren. Von dieser Förderung haben wir neue Geräte und Möbel für die Ambulanzstelle und eine Solaranlage gekauft. Als Mitfinanzierung haben wir den Eingangsbereich zur Ambulanzstelle saniert. Außerdem haben wir Erste-Hilfe-Workshops organisiert. In der Ukraine ist es wichtig, dass das jetzt alle können. Wenn etwas passiert, wenn die Gemeinde bombardiert wird, müssen alle Erste Hilfe leisten können.
Auch schon vorher haben wir eine wesentliche Unterstützung, etwa 20.000 Euro aus Deutschland für ein Projekt in unserem landeskundlichen Museum in der Gemeinde bekommen. Wir konnten Möbel kaufen, Computertechnik und Technik zum Brandschutz. Wir machen vieles in unserer Partnerschaft. Mit einem Teil meiner Stelle als Fachkraft organisiere ich humanitäre Hilfe. Wir bringen Lebensmittel, Hygieneartikel, medizinische Geräte, Kleidung und so weiter von unseren Partnern und Bekannten vor allem in Deutschland hierher und verteilen das unter den Geflüchteten in der Region. Wir schicken diese Güter auch an die Frontlinie, denn viele Menschen sind dort geblieben, haben aber keine Arbeit. Die Geschäfte sind zum Großteil geschlossen und man kann nichts kaufen.
Sehr viel bekommen wir vom Bezirk Schwaben. Sie versuchen jeden Monat, wirklich jeden Monat, einen LKW mit Lebensmitteln und Hygieneartikeln zu schicken. Und ständig kommt noch etwas dazu. Zum Beispiel gibt es jetzt noch ein weiteres Ultraschallgerät, vieles für die Schulen und es gibt viele weitere Beispiele. Wenn wir die Dinge nicht selbst brauchen, geben wir sie direkt an andere Gemeinden weiter, die sie vielleicht mehr benötigen. Unser Ziel ist es auch, die Gemeinden in der Region zu vernetzen. Wenn wir etwas machen, dann laden wir immer auch andere Gemeinden dazu ein und machen es zusammen.
Warum macht für Sie Sinn, Kraft in diese Partnerschaftsarbeit zu stecken?
In unserer Partnerschaft mit dem Bezirk Schwaben und mit der Gemeinde Thierhaupten gefällt mir besonders gut, dass wir von beiden Seiten die Möglichkeit haben, uns oft zu besuchen. Alles online machen zu können ist gut und hilft. Aber für eine wirklich tiefe Kooperation und für gute Verhältnisse braucht man diese „Gespräche unter vier Augen“, wie man im Deutschen sagt. Wir treffen uns mindestens einmal pro Jahr mit Thierhaupten in Deutschland oder hier in der Ukraine und machen unseren Plan für die Kooperation. Die Partner aus dem Bezirk Schwaben kommen noch öfter in die Bukowina, circa alle zwei Monate. Wir haben ständigen Kontakt und das finde ich sehr sehr gut.
Sehr gut ist auch, dass unser Bürgermeister, Valentin Hlopina, und der Bürgermeister von Thierhaupten, Toni Brugger, nicht nur Partner sind. Sie mögen einander und sind schon von Beginn der Partnerschaft an Freunde. Toni versucht immer, uns zu schreiben und zu fragen, wie es uns geht und wie er uns helfen kann.