Frau Bartels, Tangerhütte ist sehr ländlich geprägt. Was zeichnet Ihre Gemeinde darüber hinaus aus und wie vermitteln Sie als Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik vor Ort nachhaltige Themen?
Ein besonderes Augenmerk meiner Arbeit gilt der über viele Jahre gewachsenen Partnerschaft zwischen unserem Ortsteil Lüderitz mit Lüderitz in Namibia. Diese Partnerschaft möchte ich voranbringen und festigen. Hier haben wir mit der Aufnahme gegenseitiger Besuche und einem Memorandum of Understanding als Bekenntnis zur Zusammenarbeit bereits einen wichtigen Meilenstein erreicht.
Darüber hinaus wollen wir eine nachhaltige Kommune werden. Unser großes Ziel ist die Erarbeitung einer Nachhaltigkeitsstrategie – gemeinsam mit Zivilgesellschaft, Wirtschaft und allen, die sich einbringen wollen. Wir haben mit einer Bestandsanalyse begonnen und bereits jetzt ist offensichtlich: Tangerhütte ist sehr stark vom zivilgesellschaftlichen Engagement geprägt: Es gibt Kleider- und Spielzeugbörsen, Secondhand-Aktionen, einen Umsonstladen, Nachbarschaftsnetzwerke, die zum Beispiel Geflüchtete aus der Ukraine bei Behördengängen und mit Sachspenden unterstützen. Ein wirklich tolles Beispiel ist das Projekt „Zukunftsküche Tangerhütte“, das sich in verschiedenen Beteiligungsformaten mit gesundem, nachhaltigem Essen beschäftigt. Das Ehrenamt ist eine große Stärke unserer Region. Doch viele dieser Initiativen agieren nur sehr lokal und sind nicht übergreifend sichtbar. Mein Ziel ist, dieses Engagement bekannt zu machen, Gemeinsamkeiten zu finden und eine Gruppe von engagierten Akteuren zu bilden, die aktiv die Umsetzung der Nachhaltigkeitsstrategie begleitet. Mich selber sehe ich bei all diesen Prozessen als Ansprechpartnerin und Vermittlerin: ich kann Informationen bündeln, Menschen zusammenbringen und Unterstützungsmöglichkeiten aufzeigen.
Der Begriff „Nachhaltigkeit“ wird ja oft unterschiedlich wahrgenommen. Haben Sie den Eindruck, dass dieser Begriff schwierig zu vermitteln ist?
Ja, das geht mir wirklich so. Nachhaltigkeit umfasst so viele unterschiedliche Aspekte, aber viele Menschen in meinem Umfeld assoziieren damit sofort teure, zusätzliche Maßnahmen. Eigentlich ist es ja genau umgekehrt: Es geht darum, das zu nutzen und wertzuschätzen, was schon da ist – Dinge wiederzuverwenden und vorhandene Strukturen zu stärken. Wir müssen das positiv vermitteln: Nachhaltig sein heißt nicht nur, in Neues zu investieren, sondern vorhandene Ressourcen und Engagement zu würdigen und weiterzuentwickeln.