Warum engagieren Sie sich für nachhaltige Entwicklung? Gab es einen Schlüsselmoment, der Ihnen vor Augen geführt hat, warum globales Engagement so wichtig ist?
Ein prägender Moment war sicherlich mein Auslandsaufenthalt in Australien in den 1980er-Jahren. Ich habe dort erlebt, wie unberührte Natur kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen weichen sollte. Diese Eindrücke haben mich stark sensibilisiert für Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen. Dabei wurde mir bewusst, dass eine lebenswerte Zukunft nur im Einklang von ökologischen, sozialen und ökonomischen Aspekten realisierbar sein kann. Später habe ich Wirtschaftswissenschaften mit ökologischem Schwerpunkt studiert. Die Themen Nachhaltigkeit und Ressourcenökonomie haben mich seitdem nicht mehr losgelassen.
Als Klimaschutzmanagerin im Landkreis Oldenburg ist mir schnell klar geworden, dass Klimaschutz allein nicht reicht – wir müssen ihn im Kontext der globalen Nachhaltigkeitsziele denken. Deshalb freue ich mich besonders, dass wir heute auch strategisch an der Umsetzung der Agenda 2030 arbeiten. Ein Schlüsselmoment war für mich sicherlich auch, als mir bewusst wurde, wie viele Kolleg*innen sich im beruflichen und auch privaten Bereich für eine nachhaltige Entwicklung einsetzen. Einige Kolleg*innen sind sehr aktiv in der Flüchtlingshilfe und besondere Hochachtung gebührt einem Kollegen, der sich bei „Ärzte ohne Grenzen“ in Gaza engagiert.
Konnten Sie mit Ihrem Engagement konkret etwas bewegen? Worauf sind Sie stolz?
Ich denke, dass wir mit einigen Projekten tatsächlich viel in Bewegung gesetzt haben – sowohl in der Verwaltung als auch in der Zivilgesellschaft. Besonders stolz bin ich auf die Einführung der Repair-Cafés im Landkreis seit 2017. Damals habe ich einen Förderantrag im Rahmen des Bundesprogramms „Kurze Wege für den Klimaschutz“ gestellt. Inzwischen gibt es acht Standorte im Landkreis, an denen regelmäßig Repair-Cafés stattfinden – getragen von vielen engagierten Ehrenamtlichen. Was mich daran besonders freut: Es geht nicht nur um Ressourcenschonung, sondern auch um Begegnung. Viele der Ehrenamtlichen sind Menschen im Ruhestand, die durch das Projekt eine neue sinnstiftende Aufgabe gefunden haben. Einige haben mir erzählt, dass sie gar nicht wussten, wie sie ihre freie Zeit füllen sollten – bis sie Teil des Repair-Cafés wurden. Solche Rückmeldungen zeigen, wie viel soziale Wirkung hinter einem scheinbar kleinen Projekt stecken kann.
Ein weiteres Beispiel ist das Bürgerauto-Projekt, das wir gemeinsam mit mehreren Gemeinden im Landkreis auf den Weg gebracht haben. Die elektrisch betriebenen Fahrzeuge werden von über 70 ehrenamtlichen Fahrer*innen gesteuert. Sie bringen Menschen, die selbst nicht mobil sind, zuverlässig zum Arzt, zum Einkaufen oder zu Veranstaltungen. Auch dieses Projekt wurde durch eine kommunale Initiative und mit Hilfe von Fördermitteln realisiert – und hat sich mittlerweile in der Fläche etabliert. Solche Projekte zeigen: Kommunaler Klimaschutz kann sehr konkret sein – und verbindet ökologische mit sozialen Zielen. Das macht diese Arbeit für mich besonders erfüllend.