Fairer Handel und faire Beschaffung sind in Friedrichshain-Kreuzberg schon lange ein Thema. Schub bekam das Engagement, als 2016 eine Koordinator*innenstelle für kommunale Entwicklungszusammenarbeit (Kepol) geschaffen werden konnte. Besonders in der fairen Beschaffung ging es voran. Gemeinsam mit anderen Akteuren wie Weed e.V. und dem Fachpromotor für Kommunale Entwicklungspolitik regte der Bezirk die Berliner Landesebene dazu an, in der Ausschreibung für Sportbälle soziale Kriterien zu berücksichtigen. Die Idee: Neben der zu dieser Zeit schon vielerorts etablierten fairen Schokolade und fairem Kaffee ein Produkt zu wählen, das neue Zielgruppen für Risiken in Lieferketten sensibilisiert und zu fairem Konsum anregt.
Das ist gelungen, denn durch die erfolgreiche Ausschreibung des Berliner Landesverwaltungsamts sind faire Fußbälle nun Bestandteil von Rahmenverträgen und alle interessierten Berliner Schulen können faire Bälle unkompliziert beschaffen. Mit den Bällen ging auch die stadtweite Initiative „Berliner Sport – rund um fair“ (jetzt: #BerlinSpieltFair) einher und faire Sportartikel halten auch heute – koordiniert über das Aktionsbündnis Fairer Handel Berlin – weiteren Einzug in die Berliner Sportwelt.
Folgenreich im Sinne eines ansehnlichen Beschaffungsvolumens war die Einführung fair gehandelter Lebensmittel im Mittagessen von Berliner Grundschulen. Auch hier hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg – unterstützt von der Initiative Romero e.V. und der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit – mit Marktrecherchen, Bieterdialog, der Arbeit an klaren Kriterien und Nachweismöglichkeiten sowie der Zuarbeit konkreter Textbausteine an die zuständige Senatsverwaltung Maßgebliches geleistet. Schätzungsweise rund 20 Tonnen fair gehandelter Reis und etwa eine halbe Million Bananen berlinweit sowie die Tatsache, dass eigentlich alle Berliner Bezirke die Musterausschreibung nutzen, sprechen heute für sich.
Und eine dritte große Produktgruppe wird in Friedrichshain-Kreuzberg inzwischen ausschließlich fair beschafft. 2019 wurde gemeinsam mit dem Nachbarbezirk Neukölln die sozial verantwortliche Beschaffung von Natursteinen auf den Weg gebracht. Auch dies zeigte stadtweite Wirkung: Die Kompetenzstelle für Faire Beschaffung Berlin griff in der Ausführungsvorschrift zur Beachtung der ILO-Kernarbeitsnormen bei der Vergabe von Bau-, Liefer- oder Dienstleistungen die Erfahrungen der Bezirke auf und erarbeitete Vorgaben für Natursteine. Ein Produktblatt gibt nun Textbausteine für Ausschreibungen vor, die die Einhaltung sozialer Kriterien festlegen. In Kreuzberg wurde im Rahmen der Pilotprojekte der Mehringplatz und das Fränkelufer mit fairen Natursteinen gepflastert. Weitere Plätze in Berlin werden folgen, denn der sozial verantwortliche Einkauf von Natursteinen ist in Berlin nun Pflicht.
2021 flossen die Impulse aus den Pilotausschreibungen schließlich in einen politischen Beschluss des Bezirks. In diesem verpflichtete sich Friedrichshain-Kreuzberg, sozial verantwortliche Beschaffung sukzessive auszuweiten und hierfür weitere Produktgruppen zu identifizieren.