Die inhaltliche Gewichtung, also zu wie viel Prozent so eine Stelle im Bereich fairer Handel und faire Beschaffung, globale Verantwortung und so weiter, arbeitet, ist auch intern ein Aushandlungsprozess, in welche Richtung wir als Stadt gehen.
Und die Erfolgsindikatoren: Auf der einen Seite wollten wir uns sehr ambitionierte Ziele setzen. Aber: Je ambitionierter die Ziele sind, desto unsicherer ist es auch, sie wirklich zu erreichen – und letztendlich werden wir daran gemessen. Das ist ein Spannungsfeld, in dem wir uns bewegen.
Colette Siebert: Ich habe den Antrag im Vergleich zu manch anderen Antragsprozessen recht unkompliziert in Erinnerung. Intern hatten wir recht schnell die Zustimmung für den Antrag, weil die Förderung mit 90 Prozent doch sehr attraktiv war und auch die Politik vor allem die Chancen gesehen hat.
Nicht ganz so einfach war es, dass wir die Themen der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit erst einmal übersetzen und greifbar machen mussten. Was sind die SDGs? Was bedeutet Fairtrade-Town? Wie geht faire Beschaffung in der Verwaltung? Das Thema war einfach neu. Und auch die Befristung der Stelle war eine Herausforderung und die zeitliche Begrenzung der Personalförderung.
Wie fügt sich die KEpol-Stelle in die Verwaltungsstrukturen ein und wie profitiert die Verwaltung und die Kommune als Ganzes davon?
Colette Siebert: Bei uns ist die Stelle in der Stabsabteilung Regionalentwicklung angesiedelt und somit direkt dem Bürgermeister zugeordnet. Abgesehen davon arbeiten wir immer noch mit der Grundstruktur aus dem Projekt Global Nachhaltige Kommune. Wir haben das Kernteam und die Steuerungsgruppe. Inzwischen profitiert unsere Verwaltung vor allem von zwei, drei Standardinstrumenten, die wir mit der KEpol-Stelle etablieren konnten. Zum Beispiel haben wir in unsere Sitzungsvorlagen einen zusätzlichen Block Nachhaltigkeitseinschätzung eingeführt und in unseren Vergaben Standards für Nachhaltigkeit. Außerdem glaube ich, dass inzwischen alle in unserer Verwaltung ein gewisses Bewusstsein für die SDGs haben. Auch das ist etwas, was sich aus der KEpol-Stelle heraus entwickelt hat. Das gilt auch nach außen. Auch in der Stadt sind diese Themen sichtbarer geworden, durch das Netzwerk, das wir aufgebaut haben und die Öffentlichkeitsarbeit.