In der über 50-jährigen Partnerschaft zwischen Dresden und Brazzaville (Republik Kongo) ist die gemeinsame Arbeit zu Fragen von Klimaschutz und Klimaanpassung ein neuer Faden unter vielen. Die Partnerschaft hat über die Jahrzehnte schon viele Schwerpunkte gesehen: Seit einer Weile etwa gedeiht ein Austausch zwischen Kunstschaffenden, in einer Brazzaviller Klinik konnte ein OP-Block gebaut werden und aktuell geht es darum, die Partnerschaft auch im Kontext der EU-Strategie „Global Gateway“, mit der die EU und ihre Mitgliedsstaaten weltweit nachhaltige Infrastrukturprojekte finanzieren, zu platzieren.
Der „Klimafaden“ setzt in all dem einen eigenen Akzent. Über zwei Jahre hinweg haben Dresden und Brazzaville als Klimapartnerschaft systematisch gemeinsame Herausforderungen identifiziert. Das entstandene Handlungsprogramm verstehen die beiden Kommunen als eine Art Baukasten von Maßnahmen und Modellprojekten, die sie Schritt für Schritt umsetzen möchten. Als nächstes etwa soll ein Förderantrag für ein Modellvorhaben zur Abfallvorsortierung in Brazzaviller Haushalten eingereicht werden. Bürger*innen sollen sensibilisiert, Behälter zur Verfügung gestellt, die Abfallentsorgung zu einer Kompostieranlage über die bestehende Tür-zu-Tür-Sammlung privater Kleinunternehmen organisiert und das organische Material perspektivisch vielleicht sogar in die urbane Landwirtschaft eingebracht werden.
Hier wiederum bringt Brazzaville wertvolle Expertise und Erfahrung in die Klimapartnerschaft ein: Die Stadt hat 2015 den Milan Urban Food Policy Pact, ein internationales Abkommen zu Ernährungssicherheit in Städten, unterzeichnet. Seither fördert sie aktiv verschiedene Formen von urbaner Landwirtschaft, um Abhängigkeiten von Lebensmittelimporten zu reduzieren. Konkret docken die Partner an einer landwirtschaftlichen Pilotfläche auf der Brazzaville vorgelagerten Insel M'bamou und dem Gemeinschaftsprojekt „Internationale Gärten“ in Dresden an, das grüne Stadt- und Nachbarschaftskultur fördert. Ein Modellprojekt soll dort künftig verschiedene Low-Tech-Ansätze zur Förderung urbaner Landwirtschaft realisieren und die lokale Erzeugung von Lebensmitteln unterstützen.
Eine dritte Schiene der Klimapartnerschaft adressiert urbane Räume, konkret gemacht am Hitzeschutz auf Schulhöfen. Zubetonierte Flächen in Dresden und staubige Höfe in Brazzaville, allesamt mit geringer Aufenthaltsqualität für die Schulgemeinschaften, sollen grüner und klimaangepasster werden. Die Partner planen Maßnahmen zur Entsiegelung, für besseren Sonnen- und Regenschutz, die Installation von Spielgeräten sowie vielleicht auch Schulgärten und damit eine Bezugnahme zum Thema Ernährungssicherheit.
All dies hat der Partnerschaft insgesamt Schub gegeben: Die Kommunikation auf der Arbeitsebene hat sich weiter eingespielt und das Verständnis für die jeweiligen Rahmenbedingungen und Handlungsspielräume ist gewachsen, so die Beteiligten aus Dresden und Brazzaville.