Ein Blick in die Wissenschaft macht deutlich: Dürre ist, so erläuterte Dr. Alexandra Nauditt von der Technischen Hochschule Köln in ihrem Einführungsvortrag bei der Fachveranstaltung, anders als bei Hochwasser kein plötzliches Ereignis, sondern ein schleichender Prozess. Dürre zeigt sich in veränderten Niederschlägen, sinkenden Grundwasserständen, flacher werdenden Flüssen, austrocknenden Böden sowie nach längeren Perioden mit ungewöhnlich wenig Niederschlag und hohen Temperaturen.
In der Fachliteratur wird dies als „Anomalien“ bezeichnet. Es sind Abweichungen von langfristigen Durchschnittswerten, die oft erst durch Messungen und Beobachtungen sichtbar werden und manchmal erst dann, wenn sich die Situation bereits zugespitzt hat. Zusätzlich kann auch die Übernutzung oder Verschmutzung von Wasserressourcen durch Landwirtschaft und Industrie zu einer Trinkwasserknappheit führen. Gleichzeitig muss bei Wasserknappheit darauf geschaut werden, wie und wofür das Trinkwasser verbraucht wird. Vor diesem Hintergrund wird klar, warum Vorhaben für eine nachhaltige Trinkwasserversorgung mehrere Ebenen umfassen müssen: fundierte Datensammlungen, technische Maßnahmen und Sensibilisierung zum bewussteren Umgang mit Wasser im Alltag.
Obwohl der Großteil der globalen Wassernutzung auf die Bewässerung in der Landwirtschaft sowie auf Wasserkraft und industrielle Zwecke entfällt und nur ein vergleichsweise kleiner Anteil als Trinkwasser dient, kommt der Trinkwasserversorgung eine besondere Bedeutung zu, die jedes Kind schon kennt: Ohne Trinkwasser können wir nicht leben. Deshalb ist die Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser ein zentraler Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge. An diesem Punkt setzten die beiden kommunalen Projektpartnerschaften an.
Während in Independencia in Bolivien vor allem die aktive Beteiligung der Bevölkerung und der Bau eines Trinkwassertanks im Mittelpunkt der Projektpartnerschaft mit Neustadt an der Weinstraße standen, setzte die Partnerschaft zwischen Tupungato in Argentinien und Bietigheim-Bissingen stärker auf technische Analysen und systematische Verbesserungen der bestehenden Infrastruktur. Beide Ansätze greifen ineinander – und machen deutlich, dass es nicht den einen richtigen Weg gibt, sondern viele mögliche Wege, die sich am jeweiligen Kontext orientieren müssen.