Wohin entwickelt sich der Hitzeschutz in Heidelberg in den kommenden Jahren?
Derzeit steht die Aktualisierung des Hitzeaktionsplans an. Unser Ziel ist es auch, einen Notfallplan auszuarbeiten, der festlegt, was bei einer Hitzeglocke konkret getan werden kann und welche Kommunikationskaskaden greifen. Im Fokus sind zum Beispiel die Kühlräume für die Bevölkerung.
Ein weiterer wichtiger Punkt im neuen Hitzeaktionsplan ist Monitoring und Evaluation. Wir haben bewusst entschieden, jedes Jahr auf die Maßnahmen zu schauen und zu sehen, was wie gut gelaufen ist. Das ist nicht immer ganz einfach. Oft weiß man nicht so genau, was die Effekte sind. Aber wir wollen die Facheinheiten zumindest sensibilisieren, uns zurückzumelden, was für sie gut funktioniert.
Dann wird uns auf jeden Fall der Sanierungsstau im Bestand beschäftigen. Wir müssen herausarbeiten, wo welche Hitzebetroffenheiten liegen, vor allem bei den vulnerablen Gruppen. Konkret müssen die ganzen städtischen Gebäude, zum Beispiel Schulgebäude saniert werden. Das ist wahrscheinlich in vielen Kommunen so.
Und wir werden auch über Wasser sprechen müssen. Im Moment ist es noch nicht so, aber wir müssen uns schon mit Niedrigwassersituationen auseinandersetzen und die Grundwassersituation im Auge behalten, um vorbereitet zu sein. Andere Kommunen machen das schon vor, zum Beispiel bei der Einschränkung der Wassernutzung. Wir müssen sehen, was wir daraus lernen können und ein Konzept zur Verfügung zu haben.
Und schließlich auch die Entwicklung der neuen Baugebiete. Wir haben in Heidelberg die Konversionsflächen, wo früher die US-Armee war, oder auch die Bahnstadt mit vielen Neubauten. Diese Neuplanungen sind eine große Chance, unsere Expertise einzubringen und unter anderem mit Hilfe des Klima-Scanners klimaangepasste Quartiere zu entwickeln.
Was legen Sie Kommunen ans Herz, die Hitzeschutz nun neu zum Thema machen wollen?
Erst einmal schauen, was es schon gibt. Sich Sparringspartner suchen, mit diesen sprechen, Ideen sammeln und schauen, was dabei Erzählbares herauskommt. Es gibt mittlerweile viele Netzwerke, Fortbildungen zum/zur Klimaanpassungsmanager*in oder auch Sprechstunden, zum Beispiel beim Zentrum KlimaAnpassung.
Sich auch erst einmal mit Einzelprojekten beschäftigen und sehen, wie sie wirken. Es ist gut zu zeigen, wo etwas gut funktioniert und welche Gelingensfaktoren es dafür gibt. Also: Tu Gutes und sprich darüber.
Und man darf sich nicht unterkriegen lassen. Ich komme aus der Wissenschaft. Auch da ist es so, dass nicht alles, was man für gut hält, gleich funktioniert.
Der Wetterbericht kündigt zwei weitere heiße Tage an. Was ist Ihre persönliche Strategie?
Im Keller arbeiten, früh anfangen, viel trinken. Und über Hitze sprechen und überlegen, was funktionieren könnte.