Wir müssen das Thema auch immer wieder neu in die Abteilungen bringen – allein schon, weil es ständigen Personalwechsel gibt. Und man darf dabei nicht vergessen, dass die Abteilungen auch andere Aufgaben haben. Sehr schön bei uns in Essen ist, dass der Leiter der Zentralen Beschaffungsstelle und noch eine weitere Mitarbeiterin fester Bestandteil unserer Fairtrade-Steuerungsgruppe sind. So bin nicht nur ich als Koordinatorin für fairen Handel im bilateralen Austausch, sondern die Beschaffungsstelle bekommt alle Projekte rund um fairen Handel in der Stadt mit und kann sich, wo es passt, einklinken. Gleichzeitig kann sie aber auch Informationen teilen, zum Beispiel neulich mit einem Vortrag in der Steuerungsgruppe darüber, wie faire und nachhaltige Beschaffung in der Stadt derzeit funktioniert. Wir stehen also im Austausch und gehen einfach transparent damit um, was gerade passiert und wie wir in Zukunft aufgestellt sein möchten.
Was passiert noch in der fairen Beschaffung?
Melanie Bayo: Wir wollen als übergeordneten Rahmen eine Negativliste erarbeiten – nicht nur für fairen Handel, sondern für nachhaltige Kriterien allgemein. Dazu orientieren wir uns an der Negativliste der Stadt Hamburg, machen eine Markterkundung und holen uns die Expertise und Zustimmung der einzelnen Fachbereiche ein. Den Entwurf würden wir dann gerne für die Gesamtverwaltung beschließen lassen. Damit hätten wir ein Signal von oben, das flächendeckend sensibilisiert. Gleichzeitig schafft die Negativliste mehr Verbindlichkeit, indem sie bestimmte Produkte, Produktbestandteile oder Herstellungsweisen ausschließt. Also beispielsweise würden Natursteine oder Pflastersteine aus bestimmten Ländern nicht mehr beschafft. Dadurch würde sich der Anteil der fair beschafften Produkte automatisch erhöhen. Langfristig wollen wir erreichen, dass faire Beschaffung System bekommt und eben nicht nur zufällig passiert.
Hat das dann nicht doch wieder eine finanzielle Dimension?
Melanie Bayo: Deswegen gehen wir mit den einzelnen Abteilungen in den Austausch, um zu schauen, welche Unterstützung sie brauchen. Was ist mit dem aktuellen Budget möglich und wo müssen wir schauen, dass Budget geschaffen wird? Das ist ein längerer Prozess, den wir anstoßen wollen. Dadurch entsteht auch eine Idee davon, welche Kosten damit verbunden sind.
Sonja Eisenmann: Wenn die Politik einer solchen Liste dann zustimmt, muss sie auch die finanziellen Mittel dafür bereitstellen. In jedem Ratsbeschluss steht ja, zu welchem Kostenaufwand er führen wird, und dann muss für die nächsten Haushaltsjahre auch Geld freigemacht werden. Wir wollen zeigen, dass fairer Handel strategisch verankert werden muss. Im Klimabereich und beim Thema Nachhaltigkeit ist es schon präsenter, dass die Maßnahmenumsetzung mit Kosten verbunden ist – auch weil es gesamtgesellschaftlich präsenter ist. Im fairen Handel ist das noch etwas anders. Bei unserer Projektarbeit kooperieren wir und suchen Lösungen, und das ist auch gut so.