Gab es nur Zuspruch für Ihren Vorschlag der Doppelspitze? Wie wurde das generell aufgenommen?
Innerhalb der Frauenorganisation bzw. der Frauen-Subdivision wurde er begeistert aufgenommen und wir werden als europäische Sektion in den nächsten drei Jahren versuchen, ihn in den Statuten unterzubringen. Ob dies bei der Mehrheit der männlichen Vertreter auf Gegenliebe stoßen wird, erscheint eher zweifelhaft. Wie Fabrizio Rossi, der Generalsekretär der Europäischen Sektion sagte: Viel schockierender als die Tatsache, dass keine Frau als Co-Präsidentin kandidierte, war es aus seiner Sicht – und das kann ich nur teilen – dass das niemanden stört. Es stört niemanden, dass da keine Frauen vertreten sind. Der generelle Trend setzt sich auch da fort und wir müssen wirklich sehen, dass wir den Schutz der Demokratie als eines der wichtigsten Anliegen in den Blick nehmen und entsprechend tätig werden. Im nächsten Februar wird wieder ein UCLG Europe-Retreat stattfinden. Da werden wir hoffentlich stark auf die Statuten schauen. Es ist schade, dass wir unsere Zeit mit den Statuten verbringen, obwohl es inhaltlich vieles zu tun gäbe. Aber ich glaube, es ist absolut notwendig.
Wir haben auch über die Entwicklungszusammenarbeit zwischen Städten gesprochen: wie sich bilaterale Städtepartnerschaften verbessern lassen. Bonn hat zum Beispiel die Projektpartnerstadt Chengdu in China und die Projektpartnerstadt Ulan Bator in der Mongolei. Chengdu und Ulan Bator sind auch Partnerstädte. Da erscheint es mir logisch und praktisch, wenn wir uns mal zu dritt zusammensetzen. Wir hoffen, dass das in Ulan Bator bald der Fall sein wird, um diese Projektpartnerschaft noch auszubauen.
Mit unserer Projektpartnerstadt Cape Coast in Ghana haben wir gemeinsam viel in den Bereichen Abfallwirtschaft und Gewässerschutz unternommen. Kommunale Entwicklungszusammenarbeit war stärker Thema in den vielen Nebenveranstaltungen auf dem UCLG World Congress.
Gibt es so etwas wie strategische Leitlinien, wie Kommunen in Zukunft vorgehen oder wie sie sich auf internationalen Bühnen präsentieren?
Das Selbstverständnis ist sehr ausgeprägt. Man ist sich der eigenen Bedeutung bewusst und will diese auch noch vergrößern. Es gibt auch gemeinsame Erklärungen über das, was passieren soll in den nächsten Jahren.
Zudem gab es die unterschiedlichsten Foren auf ganz verschiedenen Ebenen und zu ganz verschiedenen Themen. Das war sehr anregend. Es ging z.B. es um Finanzierungsfragen, um Nachhaltigkeitsthemen, um Inklusion, Betreuung und Pflege. Das war schon ein großer Erfahrungsschatz. Man hätte sich eigentlich multiplizieren müssen, um in alle Veranstaltungen zu gehen. Diese Vernetzung halte ich in vieler Hinsicht für sehr wichtig. UCLG ist da für die Städte ein guter Vermittler. Am Rande des Kongresses, in den vielen Barcamps, gibt es gute Möglichkeiten zum Austausch. Das macht das Ganze so wertvoll.