Wie ist es denn nun mit Social Media? Welche Kanäle sollten Kommunen bespielen und wie viele?
Sie sollten so viele Plattformen bespielen, wie sie organisatorisch auch schaffen. Ich bin keine Freundin davon, sich auf allen Social-Media-Plattformen anzumelden und dann dort als Karteileiche vor sich hin zu gammeln. Da ist es ehrlicher und produktiver zu sagen, mir fehlen die Ressourcen und ich konzentriere mich auf eine oder zwei Plattformen.
Und dann hängt es wieder davon ab, wen ich erreichen möchte: Wenn ich die sehr unspezifische Gruppe „alle Bürger*innen“ erreichen will, dann sind wir immer noch bei Facebook. Auch wenn Facebook seit über 15 Jahren totgesagt wird, es lebt und zuckt und funktioniert immer noch – mit allen Vor- und Nachteilen, denn das Klima dort ist eher rau. Möchte ich tendenziell Jüngere erreichen, also Menschen unter 45 und aber auch nicht zu jung, dann bin ich bei Instagram ganz gut aufgehoben. In beiden Fällen bewege ich mich in der Welt von Meta.
Möchte ich eher Stakeholder*innen oder Fachpublikum erreichen und Fachdiskussionen führen, dann ist inzwischen auch in Deutschland die Plattform LinkedIn der Platzhirsch. Technisch funktioniert dort alles, was Facebook kann. Ein bisschen platt gesagt ist LinkedIn das Facebook fürs Business. Es gehört zu Microsoft und hat in Deutschland seinen Boom seit 2020. Bis dahin stand LinkedIn im Schatten von XING, einer deutschen Plattform, die sich aber letztes Jahr offiziell von ihrem Social-Media-Charakter verabschiedet hat und sich jetzt als reines Jobportal versteht. Klassische Bürger*innen-Kommunikation funktioniert auf LinkedIn nicht. Aber immer mehr Politiker*innen aller Ebenen, also auch Kommunalpolitiker*innen, tummeln sich dort. Landes- und Bundespolitik sowieso. Dort können Sie sich also vernetzen, sich austauschen, diskutieren und sind dabei nicht (wie in den Frühzeiten von Twitter, als dieses durchaus noch fachpublikatorisch unterwegs war) auf eine kleine Zeichenanzahl begrenzt. Auf LinkedIn können Sie auch mal 3.000 Zeichen posten.
Und dann gibt es natürlich noch – das will ich nicht unterschlagen – die Plattformen im Fediverse, also Mastodon und Co. Zum Beispiel ist Pixelfed eine Alternative zu Instagram oder Peertube eine zu YouTube. Diese Plattformen sind bei den Datenschutzbeauftragten sehr beliebt, weil sie dezentral sind, nicht algorithmisch und nicht in den Händen irgendwelcher US-amerikanischen oder chinesischen Konzerne. Diese Plattformen eignen sich tatsächlich auch gut für Fachdiskussionen und erreichen zu bestimmten Themen bestimmte Fach-Communities.
Der Vollständigkeit halber: Von TikTok und von X haben Sie nun nicht gesprochen.
Nein, aber ich kann gerne etwas dazu sagen. TikTok ist wohl das, was bei Datenschutzbeauftragten auch in Kommunen am schwierigsten durchzusetzen ist. Es eignet sich vor allem gut, um die jüngere Zielgruppe zu erreichen. Im Vergleich zu anderen Plattformen ist es aber auch extrem ressourcenintensiv, weil ausschließlich Videocontent geliefert werden kann. Sie müssen sich also schon Gedanken machen, ob und wie Sie Videocontent produzieren können. Außerdem hat TikTok einen anderen Algorithmus als sämtliche anderen Social-Media-Plattformen. Es geht weniger danach, mit wem Sie vernetzt sind, als danach, was Sie liken und mit was Sie interagieren.
Twitter, heute X, hat spätestens mit der Übernahme durch Elon Musk an vielen Stellen ein sehr ungutes Diskussionsklima entwickelt. Teilweise kann man auch gar nicht mehr von Diskussionen sprechen, sondern muss das klar als Hass und Hetze bezeichnen. Bürger*innen konnte man dort auch in den „guten alten Zeiten“ nicht erreichen. Auf Twitter waren eher Journalist*innen und Medienschaffende zu finden, die sich nun aber auch vermehrt auf LinkedIn tummeln.