„Wir haben in all den Jahren viele personelle Wechsel auf der Arbeitsebene erlebt und das war zwischenzeitlich durchaus schwierig. Trotzdem ging es immer weiter“, sagt Verena Schwarte, die beim Amt für Internationales und globale Nachhaltigkeit der Bundesstadt Bonn die kommunale Partnerschaft mit La Paz in Bolivien verantwortet. Diese besteht seit 2002, die ersten Kontakte gab es bereits 1996. „Erfreulicherweise haben sich in La Paz immer neue Kolleg*innen gefunden, die den Faden wieder aufnahmen“, so Verena Schwarte. „Manchmal begann das einfach mit einer E-Mail an jemanden, von dem wir in Bonn außer dem Namen noch nichts wussten.“
Kaum eine Partnerschaft bleibt über die Jahre personell unverändert. Wenn Bürgermeister*innen neu gewählt werden, Ansprechpersonen oder Zuständigkeiten wechseln, stellt sich jedes Mal die gleiche Frage: Was hält Projekte am Laufen und die kommunale Partnerschaft zusammen? Im Fall der Bonner Zusammenarbeit mit La Paz kommen herausfordernde politische Entwicklungen hinzu. „Projekte umzusetzen ist momentan nicht leicht, schon Bank-Überweisungen sind kompliziert – das ist für beide Seiten frustrierend, weil natürlich der Wunsch besteht, sichtbare Ergebnisse zu erzielen“, sagt Verena Schwarte. Umso wichtiger sei es, langfristig zu denken und weiter Vertrauen zwischen den Partner*innen aufzubauen, betont sie. Denn trotz der Hürden bleibe das Ziel bestehen, gemeinsam an einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung zu arbeiten. „Aus meiner Sicht bleibt die Partnerschaft trotz personeller Wechsel stabil“, so Verena Schwarte. „Das liegt vor allem an dem gemeinsamen Willen, miteinander zu arbeiten und voneinander zu lernen: Mit jedem Projekt, jeder Begegnung und jedem Erfolg wächst die Verbundenheit zwischen Bonn und La Paz.“
Dass diese Verbundenheit über herausfordernde Zeiten trägt, zeigte sich in der Vergangenheit mehrfach: Gemeinsam entwickelten die Städte ein Frühwarnsystem für La Paz bei Naturkatastrophen, arbeiteten im Rahmen der Kommunalen Klimapartnerschaften an einem Handlungsprogramm zu Abfallmanagement sowie Umweltbildung und setzten im Projekt „Resiliente Städte“ neue Impulse für Klimaresilienz und Ökoeffizienz. Zuletzt konnten sechs in Bolivien gefertigte E-Autos für den neuen ambulanten Gesundheitsdienst „Médico en tu casa“ beschafft werden.
Für Bonn ist der kontinuierliche fachliche Austausch besonders wertvoll. Er bringt neue Perspektiven und Ideen aus La Paz in die Stadtverwaltung. Ein Beispiel ist das städtische Seilbahnnetz: Ein Konzept, das in La Paz erfolgreich umgesetzt wurde und in Bonn seit Jahren als Vision für eine umweltfreundliche Mobilitätslösung diskutiert wird. „Wir haben gelernt, dass eine erfolgreiche Zusammenarbeit eine ist, die direkt den Menschen in der Kommune zugutekommt – und die auf vielen Schultern ruht: Nicht allein die Verwaltungen tragen die Partnerschaft, sondern auch Universitäten, Vereine und engagierte Bürger*innen“, sagt Boris Gonzales Daviglus, Koordinator der Städtischen Kooperationsagentur der Stadtverwaltung La Paz. „So bleibt unsere Partnerschaft stärker als jeder Regierungswechsel.“