Was die Präsentationen der Beispielkommunen bereits gezeigt hatten, machte die anschließende Diskussion der Teilnehmer*innen der Partnerschaftskonferenz noch deutlicher: Die Stärkung von Mädchen und Frauen ist komplex und braucht in der Regel vieldimensionale Lösungsansätze.
Ein Handlungsfeld mit vielfachen Bezügen etwa sind die Reproduktionsrechte von Frauen. Diese berühren die Aufklärung der jungen Frauen selbst, den Zugang zu Verhütungsmitteln und Vorsorgeangebote. Darüber hinaus geht es aber auch um gesellschaftliche Wahrnehmungen, Geschlechterrollen und -bilder, kulturelle oder auch religiöse Aspekte, Praktiken und Stigmata.
Gleiches gilt für das Thema Gewalt gegen Frauen. In vielen Kommunen müssen hier Zusammenhänge mit Arbeits- und Perspektivlosigkeit von jungen Männern oder die wirtschaftliche Abhängigkeit von Frauen mitgedacht werden. Die Teilnehmer*innen des Workshops diskutierten entsprechend ebenso die Notwendigkeit, Unterstützungssysteme für Jungen und junge Männer bereitzuhalten.
Angesprochen wurden zudem gesetzliche Rahmenbedingungen. Manche Kommunen verwiesen hier auf Nachbesserungsbedarf im jeweiligen Rechtssystem, beispielsweise im Bereich der Prostitution. Andere betonten, dass die Folgen gesetzlicher Regelungen durchdacht und mit entsprechenden sozialen Auffangmaßnahmen flankiert werden müssen. Wenn etwa Teenagerschwangerschaften in manchen Ländern eine Gefängnisstrafe für Väter zur Folge haben, muss darauf reagiert werden, dass junge Mütter in diesen Fällen mit der Versorgung der Kinder allein sind.
Thematisiert wurden zudem der Bereich der gendersensiblen Stadtplanung und der Sicherheit von Frauen im öffentlichen Raum. Als Beispiel wurde eine verbesserte Infrastruktur auf Märkten genannt, auf denen Frauen Erwerbsarbeit betreiben (Versorgung mit Energie, sanitären Einrichtungen, etc.). Ein anderes klassisches Beispiel war die ausreichende Beleuchtung öffentlicher Plätze und Wege.
Um also effektive Maßnahmen zur Stärkung von Mädchen und jungen Frauen entwickeln und umsetzen zu können, sind Kommunalpartnerschaften auf eine gründliche Analyse der jeweiligen Zusammenhänge verwiesen. Gießen und Mubende sind dem mit einer systematischen Ausgangsanalyse nachgegangen. In Nalbach und Assié-Koumassi haben einzelne Mikroprojekte zu einem umfassenderen Bild geführt. In beiden Fällen hat der partnerschaftliche Rahmen dazu beigetragen, Fortschritte für Mädchen und (junge) Frauen zu erzielen.