In einer zunehmend multipolaren Welt, in der die Konkurrenz um Ressourcen und Einfluss zunimmt, wird Entwicklungszusammenarbeit mehr und mehr auch als ein strategisches Mittel betrachtet, um den eigenen politischen und wirtschaftlichen Einfluss zu sichern. „EZ ist kaum noch altruistisch, mehr ein Investieren in eigene Interessen“, fasst Stephan Klingebiel die Situation zusammen.
Für Deutschland als rohstoffarmes und exportorientiertes Land ist es von entscheidender Bedeutung, stabile und nachhaltige Partnerschaften aufzubauen, um nicht nur die globalen Entwicklungsziele der Agenda 2030 zu erreichen, sondern auch wirtschaftlich konkurrenzfähig zu bleiben. Der Wettbewerb um Rohstoffe und Marktanteile wird zunehmend intensiver, insbesondere mit aufstrebenden Mächten wie China und Russland. Durch Entwicklungszusammenarbeit kann Deutschland nicht nur seine geopolitische Position stärken, sondern auch den Zugang zu wichtigen Märkten sichern.
Als Industrieland des Globalen Nordens trägt Deutschland zudem eine historische Verantwortung für die gegenwärtige Klimakrise und die ungerechte Verteilung von Ressourcen. Auch wenn die Bundesrepublik nur einen kleinen Anteil an den aktuellen jährlichen weltweiten CO2-Emissionen hat, sind die kumulierten Emissionen des Landes seit der Industrialisierung von entscheidender Bedeutung. Es ist daher nicht nur ein Akt der Solidarität, sondern auch ein Gebot der Fairness, Entwicklungszusammenarbeit zu unterstützen. Somit leistet die EZ auch einen wesentlichen Beitrag dazu, die Bundesrepublik Deutschland als verlässliche Partnerin zu positionieren.
Angesichts komplexer und miteinander verflochtener globaler Krisen, wie etwa dem Klimawandel, Fluchtbewegungen oder der zunehmenden Ungleichheit mit Blick auf die Verteilung von Vermögen, wird die Bedeutung der Entwicklungszusammenarbeit als sozial, ökologisch und wirtschaftlich ausgleichendes Element immer klarer. Wir sollten uns dabei bewusstmachen, dass Entwicklungspolitik nicht nur im Interesse der betroffenen Länder, sondern auch im eigenen Interesse ist. Denn den oben genannten Krisen lässt sich nicht innerhalb der eigenen Landesgrenzen begegnen – und eine stabile und wohlhabende Weltgemeinschaft wirkt sich letztendlich auch positiv auf die eigene Sicherheit und den eigenen Wohlstand aus.