In Lieferketten von landwirtschaftlichen Produkten aus dem Globalen Süden gibt es immer noch zahlreiche schwere Menschenrechts- und Arbeitsrechtsverletzungen – insbesondere bei Ernte und Anbau. Der Preisdruck von Supermärkten und Konzernen hierzulande führt dazu, dass Arbeiter*innen im Globalen Süden unter schlechten Bedingungen und ohne existenzsichernde Löhne arbeiten müssen. Frauen stellen über 60 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte in diesen Ländern, sind jedoch selten in den gewinnbringenderen Bereichen der Lieferkette vertreten und haben nur eingeschränkten Zugang zu Ressourcen wie Geld, Krediten oder einem eigenen Stück Land. Dabei ist besonders für schwangere Frauen und Mütter der Zugang zu existenzsichernden Löhnen und einem gesunden Arbeitsumfeld von großer Bedeutung.
Der faire Handel setzt sich seit über 50 Jahren für Geschlechtergerechtigkeit und eine gleichberechtigte Teilhabe ein. Seine Prinzipien fördern die Überwindung kolonialer, patriarchaler und rassistischer Machtstrukturen, wobei insbesondere kleinbäuerliche Familienbetriebe unterstützt werden, was der gesamten Familie – auch Müttern und Frauen – zugutekommt.
Durch die faire Beschaffung von Lebensmitteln kann die öffentliche Hand das Empowerment von Frauen und anderen benachteiligten Gruppen in den Lieferketten fördern und so einen wichtigen Beitrag zur feministischen Entwicklungspolitik leisten. Mit ihrer erheblichen Marktmacht kann die öffentliche Hand auch als Vorbild agieren, indem sie Produkte aus Lieferketten meidet, in denen es zu Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden kommt. Besonders Produkte wie Kaffee, Tee, Kakao und Südfrüchte sollten aus fairem Handel stammen. Bei diesen Lebensmitteln lohnt es sich, genau auf die Arbeitsbedingungen in den Lieferketten zu schauen und glaubwürdige Zertifizierungen mit ambitionierten Standards zu fordern.